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Band 1 – ERAGON
Das Vermächtnis der Drachenreiter
Als Eragon auf der Jagd einen blauen Stein findet, ahnt er nicht, dass dieser Fund sein Leben verändern wird. Er freut sich, denn vielleicht kann er den Stein gegen Essen für seine Familie eintauschen. Doch dann entschlüpft dem Stein ein Drachenjunges und beschert Eragon ein Vermächtnis, das älter ist als die Welt selbst.

Er gerät in einen schicksalhaften Strudel von Magie und Macht, in ein Reich, bevölkert von Elfen, Zwergen und Monstern und regiert von einem Herrscher, dessen Grausamkeit keine Grenzen kennt. Mit nichts als einem Schwert bewaffnet stellt sich Eragon dem Kampf gegen das Böse, an seiner Seite seine treue Gefährtin, der blaue Drache Saphira.

Wird Eragon das Erbe der legendären Drachenreiter antreten? Das Schicksal des Volkes liegt in seiner Hand ...



LESEPROBE:

Ein Schicksalhafter Flug
Eragons Gedanken überschlugen sich. Er rannte, so schnell er konnte, und blieb nicht einmal stehen, als er nur noch keuchend nach Luft schnappen konnte. Während er die verschneite Straße entlanglief, versuchte er, mit seinem Geist Saphira zu erreichen, aber sie war zu weit entfernt. Er überlegte, was er Garrow sagen sollte. Jetzt blieb ihm nichts anderes mehr übrig; er müsste ihm von dem Drachen erzählen.

Als er das Haus erreichte, war er völlig außer Atem, und sein Herz raste. Garrow stand gerade mit den Pferden vor der Scheune. Eragon zögerte. Soll ich jetzt gleich mit ihm reden? Er wird mir nicht glauben, solange er Saphira nicht mit eigenen Augen sieht - es ist wohl besser, wenn ich sie zuerst hole. Er rannte um den Hof herum und in den Wald. Saphira!, rief er im Geiste.

Ich komme, war die schwache Antwort. Er wartete ungeduldig, doch es dauerte nicht lange, bis über der Lichtung das Geräusch ihrer Flügelschläge ertönte. Sie landete inmitten einer aufwirbelnden Schneewolke. Was ist passiert?, wollte sie wissen.

Er legte ihr die Hand auf die Schulter, schloss die Augen und zwang sich zur Ruhe, dann schilderte er ihr rasch die Geschehnisse. Als er die beiden Fremden erwähnte, schrak Saphira zusammen. Sie bäumte sich auf und stieß ein ohrenbetäubendes Gebrüll aus, dann ließ sie ihren Schwanz über seinen Kopf hinwegsausen. Er sprang überrascht zurück und duckte sich, als der Schwanz in einen Schneehügel schlug. Panik und wilder Blutdurst lagen in der Geste. Feuer! Feinde! Tod! Mörder!

Was ist los? Er legte seine ganze Kraft in diese Worte, aber eine eiserne Mauer um ihren Geist schirmte ihre Gedanken ab. Sie brüllte erneut auf und hieb die Klauen in die Erde, sodass der gefrorene Boden aufriss. Sei still!, warnte er. Garrow kann dich hören!

Schwüre gebrochen, Seelen getötet, Eier zerschlagen! Überall Blut. Mörder! Angstvoll wehrte er Saphiras überkochende Wut ab und beobachtete argwöhnisch ihren Schwanz. Als er erneut auf ihn zusauste, sprang er mit einem schnellen Satz an ihre Seite und packte einender Zacken auf ihrem Rücken. Er zog sich hinauf in die kleine Kuhle unter ihrem Nacken und schlang die Arme um ihren Hals, als sie sich erneut aufbäumte. Das reicht, Saphira!, rief er. Augenblicklich versiegte der Strom ihrer aufgewühlten Gedanken. Er strich ihr über die Schuppen. Alles wird gut. Plötzlich kauerte sie sich zu Boden und klappte die Flügel aus. Unbewegt hingen sie dort einen Moment, dann schnellten sie herunter und Saphira stieß sich ab und stieg in die Lüfte.

Eragon brüllte vor Schreck, als der Boden unter ihm wich und sie sich über die Bäume erhoben. Tosende Luftwirbel schüttelten ihn durch und pressten den Atem aus seinen Lungen. Saphira ignorierte sein Entsetzen und flog in einer scharfen Linkskurve auf den Buckel zu. Unter ihnen erhaschte er einen Blick auf den Hof und den Anora. Sein Magen rebellierte. Er umklammerte Saphiras Hals, konzentrierte sich auf die Schuppen vor seiner Nase und versuchte, die aufsteigende Übelkeit zu unterdrücken, während sie immer höher in den Himmel emporstieg. Als sie sich schließlich waagerecht legte, fand er den Mut, sich umzuschauen.

Die Luft war so eisig, dass sich Reif auf seinen Wimpern bildete. Sie hatten die Berge schneller erreicht, als er für möglich gehalten hätte. Aus der Luft sahen die Gipfel aus wie gigantische, rasiermesserscharfe Reißzähne, die nur darauf warteten, sie aufzuschlitzen. Plötzlich trudelte Saphira und Eragon rutschte zur Seite. Er leckte sich über die Lippen, schmeckte Galle und vergrub sein Gesicht wieder an ihrem Hals.

Wir müssen zurück, flehte er sie an. Die Fremden sind auf dem Weg zum Hof. Wir müssen Garrow warnen. Kehr um! Sie gab keine Antwort. Er drang in ihren Geist vor, stieß aber auf eine undurchdringliche Mauer aus Angst und Zorn. Fest entschlossen, sie zur Umkehr zu bewegen, rannte er verbissen gegen ihren geistigen Schutzwall an. Er drückte an den schwächeren Stellen, unterwanderte die stärkeren und kämpfte darum, sich Gehör zu verschaffen, aber es war vergebens.

Bald waren sie von Bergen umgeben, die gewaltige weiße Wände bildeten, durchbrochen von schroffen Granitklippen. Die blauen Gletscher zwischen den Gipfeln sahen aus wie gefrorene Flüsse. Lange Täler und Schluchten öffneten sich unter ihnen. Er hörte das aufgeregte Kreischen von Vögeln, als diese Saphira erblickten. An einem Steilhang sah er eine Herde wolliger Bergziegen von einem Felsvorsprung zum nächsten springen.

Eragon wurde von den wirbelnden Windstößen, die Saphiras Flügelschläge erzeugten, durchgeschüttelt, und immer wenn sie ihren Hals bewegte, kippte er von einer Seite auf die andere. Sie schien unermüdlich zu sein. Er hatte schon Angst, dass sie die ganze Nacht weiterfliegen würde, aber als das Tageslicht zu schwinden begann, legte sie sich endlich in einen flachen Sinkflug.

Er schaute voraus und sah, dass sie auf eine kleine Lichtung zuhielten. Saphira kreiste tiefer und ging hinter den Baumwipfeln zur Erde nieder. Sie bremste ab, als der Boden näher kam, fing die Luft mit ihren Flügeln auf und landete auf den Hinterbeinen. Ein Ruck ging durch ihre gewaltigen Muskeln, als sie die Wucht der Landung auffingen. Sie fiel auf die Vorderbeine und machte einen Ausfallschritt, um das Gleichgewicht zu halten. Eragon rutschte von ihr herunter, ohne zu warten, bis sie die Flügel angelegt hatte.

Als er unten aufkam, knickten seine Knie ein, und er fiel kopfüber in den Schnee. Er stöhnte auf, als ein brennender Schmerz in seine Beine schoss und ihm die Tränen in die Augen trieb. Seine vom langen Anspannen verkrampften Glieder zitterten wie Espenlaub. Schlotternd rollte er sich auf den Rücken und streckte sich, so gut es ging. Dann zwang er sich, nach unten zu schauen. An den Innenseiten seiner Oberschenkel verdunkelten zwei große Flecken seine Wollhose. Er berührte den Stoff. Er war feucht. Erschrocken zog er die Hose ein Stück herunter und schnitt eine Grimasse. Die Innenseiten seiner Beine waren aufgescheuert und blutig. Die Haut war verschwunden, abgerieben von Saphiras harten Schuppen. Vorsichtig betastete er die Abschürfungen und zuckte vor Schmerz zusammen. Die Kälte schnitt ihm ins Fleisch, als er die Hose wieder hochzog, und er schrie auf, als der Stoff die empfindlichen Wunden streifte. Er versuchte aufzustehen, aber seine Beine trugen ihn nicht mehr.

Der fortschreitende Abend verdunkelte die Umgebung. Die schattenhaften Berge waren ihm nicht vertraut. Ich bin im Buckel, ich weiß nicht, wo, mitten im tiefsten Winter, mit einem verrückten Drachen, ich kann nicht laufen und also auch keinen Unterschlupf finden. Bald ist es Nacht. Ich kann erst morgen wieder nach Hause. Und die einzige Möglichkeit zurückzukommen, ist, wieder zu fliegen. Das halte ich nicht noch einmal aus! Er atmete tief durch. Ach, ich wünschte, Saphira könnte schon Feuer speien. Er wandte den Kopf und sah sie neben sich auf dem Boden kauern. Er legte ihr eine Hand auf die Seite und merkte, dass Saphira zitterte. Die Mauer um ihren Geist war verschwunden. Jetzt spürte er ganz deutlich ihre Angst. Er schmiegte sich an sie und beruhigte sie allmählich mit sanften Bildern. Warum ängstigen dich diese Fremden so sehr?

Mörder, fauchte sie. Garrow ist in Gefahr und du verschleppst mich einfach! Bist du nicht imstande, mich zu beschützen? Sie ließ ein tiefes Knurren hören und klappte das Maul zu. Ah, aber wenn du doch glaubst, dass du dazu in der Lage bist, warum fliehst du dann?

Der Tod ist ein Gift. Er stützte sich auf einen Ellbogen und verdrängte seine Niedergeschlagenheit. Saphira, schau mal, wo wir sind! Die Sonne ist untergegangen, die Schuppen auf deinem Rücken haben mir die Haut vom Fleisch gerissen, einfach so, wie ich einem Kaninchen das Fell abziehen würde. War das deine Absicht?

Nein. Warum hast du es dann getan?, wollte er wissen. Durch die Verbindung mit Saphira spürte er, dass sie zwar seine Schmerzen, aber nicht ihr Handeln bedauerte. Sie schaute weg und wollte seine Frage nicht beantworten. Die eisigen Temperaturen betäubten seine Beine. Obwohl die Kälte die Schmerzen linderte, wusste er, dass er sich in keinem guten Zustand befand. Er versuchte, Saphira seine Misere klar zu machen. Ich werde erfrieren, wenn du mir keinen Unterschlupf baust, in dem ich mich wärmen kann. Selbst ein Haufen aus Tannennadeln und Ästen würde reichen.

Sie schien erleichtert, dass er sie nicht länger tadelte. Das ist nicht nötig. Ich werde mich an dich kuscheln und mit meinen Flügeln zudecken - das Feuer in mir wird die Kälte fern halten.

Eragon ließ den Kopf auf den Boden zurücksinken. Gut, aber schaufle zuerst den Schnee vom Boden. Dann ist es gemütlicher. Als Antwort zerschlug Saphira mit ihrem Schwanz einen Schneehügel und machte ihn mit einem einzigen kräftigen Hieb dem Erdboden gleich. Sie wischte noch einmal über die Stelle, um die letzten Reste des gehärteten Schnees zu entfernen. Eragon schaute missmutig zu dem freigelegten Fleck hinüber. Ich kann nicht allein dorthin laufen. Du musst mir helfen. Ihr Kopf, so groß wie sein Oberkörper, schwenkte über ihn. Er starrte in ihre großen saphirfarbenen Augen und umfasste einen ihrer elfenbeinartigen Zacken. Sie hob den Kopf und zog ihn langsam zu der frei geräumten Stelle. Sachte, sachte. Er sah Sterne, als er gegen einen Felsbrocken stieß, hielt sich aber an ihr fest. Als er schließlich losließ, legte Saphira sich auf die Seite und bot ihm ihren warmen Bauch dar. Er schmiegte sich an die glatten Schuppen ihrer Unterseite. Ihr rechter Flügel faltete sich über ihm auf und schloss ihn in völliger Dunkelheit ein, wie ein lebendiges Zelt. Fast augenblicklich begann die Kälte zu weichen.

Er zog die Arme ins Innere seines Wamses und band sich die leeren Ärmel um den Hals. Erst jetzt merkte er, wie hungrig er war. Aber das lenkte ihn nicht von seiner größten Sorge ab. Konnte er noch vor den Fremden den Hof erreichen? Und wenn nicht, was würde dann geschehen? Selbst wenn ich mich noch einmal überwinde, Saphira zu reiten, werden wir frühestens am Nachmittag zurück sein. Dann sind die Kerle längst dort gewesen. Er schloss die Augen und spürte, wie eine einzelne Träne über sein Gesicht kullerte. Was habe ich bloß angerichtet?

Aus "Eragon. Das Vermächtnis der Drachenreiter" von Christopher Paolini



Band 2 – ERAGON
Der Auftrag des Ältesten
Der erste Teil von Angelas Prophezeiung ist eingetreten. Sie hatte geweissagt, dass die gewaltigen Mächte des Landes darum ringen würden, den Willen und das Schicksal des jungen Drachenreiters Eragon zu beherrschen. Wie auch immer dieser Machtkampf ausgehen sollte - er würde blutig werden. Und tatsächlich: In der Schlacht gegen König Galbatorix und seine Urgal-Armee schlägt sich Eragon zwar erfolgreich auf die Seite der Varden, Elfen und Zwerge. Doch die Auseinandersetzung um Farthen Dûr kostet Unzähligen das Leben. Auch der Vardenkönig Ajihad stirbt. In seiner letzten Stunde erteilt er Eragon den Auftrag, über sein Volk zu wachen. Eine Bürde, die schwer auf Eragons Schultern lastet …



LESEPROBE:

Doppeltes Desaster
Die Lieder der Toten sind das Wehklagen der Lebenden. So dachte Eragon, als er über den verrenkten Leichnam eines Urgals hinwegstieg und das Wimmern der Frauen hörte, die ihre toten Männer und Söhne vom blutdurchtränkten Boden Farthen Dûrs auflasen. Hinter ihm stelzte Saphira vorsichtig um das leblose Bündel herum. Das Blau ihrer schillernden Schuppen war die einzige Farbe im Halbdunkel des hohlen Berges.

Drei Tage waren vergangen, seit Varden und Zwerge mit den Urgals um Tronjheim gekämpft hatten, den tausend Meter hohen kegelförmigen Stadtberg inmitten von Farthen Dûr, doch das Schlachtfeld war noch immer mit Leichen übersät. Die vielen Toten zu begraben, dauerte länger als erwartet. In der Ferne loderte ein gewaltiges Feuer vor der Felswand; dort verbrannten sie die Urgals. Die brauchten kein Begräbnis, keine letzte Ruhestätte.

Seit er beim Aufwachen festgestellt hatte, dass Angela inzwischen seine Wunde geheilt hatte, war Eragon dreimal aufgestanden, um bei den Aufräumarbeiten mitzuhelfen. Doch jedes Mal durchfuhr ihn ein stechender Schmerz, der in seiner Wirbelsäule zu explodieren schien. Die Heiler verabreichten ihm Kräutertränke. Arya und Angela befanden, er sei gesund. Und trotzdem überfiel ihn immer wieder dieser Schmerz. Auch Saphira konnte ihm nicht wirklich helfen, sondern lediglich den Schmerz mit ihm teilen.

Eragon strich sich mit der Hand übers Gesicht und schaute zu den Sternen empor, die sich, umnebelt von den Rauchwolken des Scheiterhaufens, in der fernen Gipfelöffnung zeigten. Drei Tage.

Drei Tage war es her, dass er Durza getötet hatte. Seitdem nannten ihn die Leute "Schattentöter". Drei Tage war es her, dass die Bewusstseinsreste des Zauberers seinen Verstand attackiert hatten und ihn der geheimnisvolle Togira Ikonoka, der unversehrte Krüppel, gerettet hatte. Außer Saphira hatte er niemandem davon erzählt.

Der Kampf gegen Durza und die dunklen Geister, die ihn beherrschten, hatte Eragon verändert; ob zum Besseren oder zum Schlechteren, vermochte er noch nicht zu sagen. Er fühlte sich schwach, fast zittrig, als hätte etwas seinen Körper und Geist bis ins Mark erschüttert.

Und nun war er, von morbider Neugier getrieben, zur Stätte des Kampfes zurückgekehrt, um den Ausgang der Dinge nicht zu versäumen. Doch statt des Siegestaumels, den die Heldenlieder besangen, fand er nur noch das unheimliche Gefühl von Tod und Zerstörung vor.

Ehe die grausamen Ra'zac wenige Monate zuvor seinen Onkel Garrow umgebracht hatten, wäre Eragon an den Brutalitäten, die er zwischen Menschen, Zwergen und Urgals mit ansehen musste, zerbrochen. Jetzt aber betäubte ihn dies alles nur noch. Mit Saphiras Hilfe hatte er eingesehen, dass die einzige Möglichkeit, inmitten solcher Schrecken nicht den Verstand zu verlieren, darin bestand, etwas zu tun. Davon abgesehen, maß er dem Leben an sich keine besondere Bedeutung mehr bei - nicht nachdem er gesehen hatte, wie die Kull, grausame Urgal-Riesen, Menschen in Stücke rissen und eine Schicht aus abgetrennten Gliedmaßen den Boden bedeckte, der vom Blut so aufgeweicht war, dass es durch die Sohlen seiner Stiefel drang. Falls es am Krieg irgendetwas Ehrenhaftes gab, sagte er sich, so bestand es allein darin, andere vor Schaden zu bewahren.

Er bückte sich und hob einen Zahn auf. Es war ein Backenzahn, den er immer wieder achtlos in die Luft warf, während er mit Saphira die zertrampelte Ebene überquerte. Am anderen Ende blieben sie stehen, weil sie Jörmundur - nach Ajihad der oberste Befehlshaber der Varden - aus Tronjheim auf sie zueilen sahen. Als er sie erreicht hatte, verneigte sich Jörmundur, eine Geste, die noch vor wenigen Tagen undenkbar gewesen wäre.

"Gut, dass ich dich treffe, Eragon." Er hielt eine auf Pergament geschriebene Nachricht in der Hand. "Ajihad kehrt zurück. Er möchte, dass du bei seiner Ankunft zugegen bist. Die anderen warten schon am Westtor auf ihn. Wir müssen uns beeilen."

Eragon nickte und ging auf das Tor zu, die Hand an Saphiras Flanke gelegt. Ajihad hatte den Großteil der vergangenen drei Tage damit verbracht, Urgals zu jagen, denen die Flucht in die Zwergentunnel gelungen war. Diese Tunnel durchzogen das gesamte Beor-Gebirge. Als er ihn zwischen zwei Jagdzügen einmal kurz gesehen hatte, war Ajihad fuchsteufelswild gewesen, weil seine Tochter Nasuada seinen Befehl nicht befolgt hatte, sich vor der Schlacht mit den anderen Frauen und Kindern in Sicherheit zu bringen. Stattdessen hatte sie heimlich bei den Bogenschützen der Varden mitgekämpft.

Murtagh und die Zwillinge hatten Ajihad begleitet - die Zwillinge, weil es ein gefährliches Unterfangen war und der Anführer der Varden den Schutz ihrer magischen Fähigkeiten benötigte, und Murtagh, um zu beweisen, dass er den Varden tatsächlich wohlgesonnen war. Es überraschte Eragon, wie sehr sich die Einstellung der Leute Murtagh gegenüber geändert hatte, wenn man bedachte, dass Murtaghs Vater der Drachenreiter Morzan gewesen war, der seine Gefährten an Galbatorix verraten hatte. Obwohl Murtagh seinen Vater verachtete und Eragon treu ergeben war, hatten die Varden ihm zunächst nicht vertraut. Nun aber, da es so viel zu tun gab, wollte niemand mehr seine Kraft mit belanglosen Ressentiments vergeuden. Eragon, dem die Gespräche mit Murtagh fehlten, freute sich darauf, bald mit ihm über die jüngsten Ereignisse zu reden.

Als er und Saphira sich Tronjheim näherten, sahen sie im Laternenschein vor dem Westtor eine kleine Gruppe von Leuten stehen, darunter Orik, der unruhig von einem Zwergenbein auf das andere trat, und Arya. Der weiße Verband an ihrem Oberarm leuchtete in der Dunkelheit und warf einen schwachen Lichtschimmer auf ihre Haarspitzen. Eragon wurde von einer Welle sonderbarer Gefühle ergriffen, wie jedes Mal, wenn er die Elfe sah. Ihre funkelnden grünen Augen schauten kurz zu ihm und Saphira herüber, dann hielt sie weiter nach Ajihad Ausschau.

Arya hatte Isidar Mithrim, den zwanzig Meter breiten, rosenförmigen Sternsaphir, gesprengt und es Eragon damit ermöglicht, Durza zu töten und die Schlacht zu gewinnen. Trotzdem waren die Zwerge empört, dass sie ihren wertvollsten Schatz zerstört hatte. Sie weigerten sich, die Scherben des Saphirs zu entfernen, und ließen sie in einem gewaltigen Kreis in Tronjheims zentraler Kammer liegen. Eragon war durch das zersplitterte Trümmerfeld gewatet und teilte den Schmerz der Zwerge um die verlorene Herrlichkeit.

Er und Saphira blieben neben Orik stehen und blickten hinaus in die verlassene Landschaft, die Tronjheim umgab und sich in jede Richtung fünf Meilen weit bis zu Farthen Dûrs gewaltiger Innenwand erstreckte. "Aus welcher Richtung kommt Ajihad?", fragte Eragon.

Orik deutete auf eine Ansammlung von Laternen, die in einiger Entfernung vor einer großen Tunnelöffnung aufgestellt waren. "Er wird bald hier sein."

Eragon wartete geduldig mit den anderen und beantwortete hier und da ihre Fragen, zog es aber vor, im Stillen mit Saphira zu reden. Die Ruhe, die Farthen Dûr erfüllte, tat ihm gut.

Eine halbe Stunde verging, bis sich in dem fernen Tunnel etwas regte. Eine Gruppe von zehn Männern kam zum Vorschein, dann drehten sie sich um und halfen ebenso vielen Zwergen nach oben.

Einer der Männer - Eragon nahm an, dass es Ajihad war - hob die Hand und die Krieger traten in zwei geraden Reihen hinter ihm an. Auf ein Signal hin marschierte die Formation stolz auf Tronjheim zu.

Sie hatten sich kaum in Bewegung gesetzt, als am Tunneleingang hinter ihnen plötzlich hektischer Betrieb einsetzte und weitere Gestalten aus den Tiefen des Berges hervorsprangen. Eragon kniff die Augen zusammen, denn er konnte aus so großer Entfernung kaum etwas erkennen.

Das sind Urgals!, rief Saphira, und ihr Körper war mit einem Mal gespannt wie eine gezogene Bogensehne.

Eragon fragte nicht erst lange. "Urgals!", rief er und saß mit einem Satz auf ihrem Rücken. Er verwünschte sich dafür, dass er sein Schwert Zar'roc nicht mitgenommen hatte. Niemand hatte zu diesem Zeitpunkt einen Angriff erwartet, nachdem die Urgal-Armee gerade erst vertrieben worden war.

Seine frisch verheilte Wunde schmerzte, als Saphira die azurblauen Flügel entfaltete, um gleich darauf mit kräftigen Schlägen in die Lüfte zu steigen, wo sie mit jeder Sekunde an Höhe und Geschwindigkeit gewann. Unter ihnen rannte Arya auf den Tunnel zu und hätte fast mit Saphira Schritt gehalten. Orik eilte ihr mit mehreren Männern hinterher, während Jörmundur zu den Kasernen zurücksprintete.

Aus dieser Entfernung konnte Eragon keine Magie einsetzen. Hilflos musste er mit ansehen, wie die Urgals Ajihads Kriegern in den Rücken fielen. Die Ungetüme hatten das Überraschungsmoment auf ihrer Seite und streckten binnen Sekunden vier Mann nieder, sodass die restlichen Krieger, Menschen und Zwerge gleichermaßen, gezwungen waren, sich um Ajihad zu scharen, um ihn zu schützen. Schwerter und Äxte krachten aufeinander, als die beiden Kampfverbände zusammenstießen. Ein Lichtblitz schoss aus einem der Zwillinge hervor und ein Urgal umklammerte erst den Stumpf seines abgetrennten Arms und stürzte dann zu Boden.

Eine Zeit lang sah es so aus, als könnten sich Ajihads Krieger der Urgals erwehren, doch dann brach ein wildes Getümmel aus und ein Strudel feiner Nebelschwaden schien die Kontrahenten zu erfassen.

Als sich der Sturm legte, standen nur noch vier Krieger aufrecht: Ajihad, die Zwillinge und Murtagh. Die Urgals fielen über sie her und raubten Eragon die Sicht. Er beobachtete die Szene mit wachsendem Entsetzen.

Nein! Nein! Nein!

Noch ehe Saphira den Ort des Gemetzels erreicht hatte, war die Urgal-Horde wieder im Tunnel verschwunden und verkroch sich in den Tiefen des Berges. Draußen im Sand blieben nur leblose Gestalten zurück.

Eragon sprang ab, kaum dass Saphira gelandet war, hielt jedoch im nächsten Augenblick, von Wut und Schmerz überwältigt, inne.

Ich kann das nicht! Der Anblick erinnerte ihn allzu sehr daran, wie er damals seinen Onkel Garrow sterbend zu Hause auf dem Hof gefunden hatte. Bei jedem Schritt gegen das Grauen ankämpfend, begann er, nach Überlebenden zu suchen.

Der Ort glich dem Schlachtfeld, das er eben noch inspiziert hatte, aufs Haar, nur dass hier das Blut frisch war.

Im Zentrum des Massakers inmitten von fünf erschlagenen Urgals lag Ajihad, den Brustpanzer an mehreren Stellen aufgeschlitzt. Sein Atem ging keuchend und stoßweise. Eragon kniete neben ihm nieder und senkte den Kopf, damit seine Tränen nicht auf den malträtierten Brustkorb des Anführers fielen. Diese Wunden würde niemand mehr heilen können. Arya kam herbeigerannt, und ihre Gesichtszüge erstarrten, als sie sah, dass Ajihad nicht mehr zu helfen war.

"Eragon", entrang es sich Ajihads Lippen. Es war kaum mehr als ein Flüstern.

"Ja, ich bin hier."

"Hör zu… mein letzter Befehl…" Der Junge beugte sich weiter hinab, um den Sterbenden besser zu verstehen. "…mir versprechen, dass du… die Varden nicht im Chaos versinken lässt… die einzige Hoffnung gegen das Imperium… müssen stark bleiben. Versprich mir…"

"Ich verspreche es."

"Friede sei mit dir, Eragon Schattentöter…" Mit einem letzten Atemzug schloss Ajihad die Augen und seine edlen Gesichtszüge entspannten sich.

Eragon ließ den Kopf hängen. Der harte Kloß in seinem Hals tat beim Atmen weh. Arya gab Ajihad in der alten Sprache den Segen, dann wandte sich ihre melodiöse Stimme an Eragon: "Sein Tod wird viele Dispute auslösen. Er hat Recht, du musst alles tun, um einen Machtkampf zu verhindern. Ich werde dich, so gut es geht, dabei unterstützen."

Unfähig zu antworten, starrte Eragon auf die restlichen Leichen. Er hätte alles dafür gegeben, an einem anderen Ort zu sein. Saphira schnüffelte an einem der Urgals und sagte: Das hätte nicht geschehen dürfen. Es ist eine verabscheuungswürdige Untat und umso schlimmer, da sie uns zu einem Zeitpunkt trifft, wo wir eigentlich unseren Sieg feiern sollten. Sie inspizierte einen weiteren Leichnam, dann schwenkte sie den Kopf herum. Wo sind die Zwillinge und Murtagh? Sie sind nicht unter den Toten.

Eragon blickte suchend auf die Opfer. Eigenartig! In einem Anflug von Hoffnung lief er zum Tunneleingang. Die ausgetretenen Marmorstufen, die dort in die Tiefe führten, waren blutverschmiert, als hätte man dort mehrere Verwundete hinuntergeschleift. Die Urgals müssen sie mitgenommen haben! Aber warum bloß? Sie nehmen doch nie Gefangene oder Geiseln. Sofort kehrte die Verzweiflung zurück. Ohne Verstärkung können wir sie aber nicht verfolgen. Du passt ja nicht mal durch den Eingang!

Sie sind vielleicht noch am Leben. Willst du sie etwa ihrem Schicksal überlassen?

Was soll ich denn tun? Die Zwergentunnel sind ein einziger Irrgarten! Ich würde mich doch nur verirren. Und zu Fuß kann ich die Urgals ohnehin nicht einholen. Aber Arya könnte es vielleicht.

Dann bitte sie darum!

Arya… Eragon zögerte, hin- und hergerissen zwischen seinem Tatendrang und dem Widerwillen, sie in Gefahr zu bringen. Und doch: Wenn irgendjemand den Urgals die Stirn bieten konnte, dann sie. Seufzend erklärte er ihr die Situation.

Aryas anmutig geschwungene Augenbrauen trafen sich, als sie die Stirn runzelte. "Das ist wirklich sonderbar."

"Wirst du sie verfolgen?"

Sie starrte ihn einen Moment lang an. "Wiol ono." Um deinetwillen. Dann stürmte sie los, das blitzende Schwert in der Hand, und verschwand im Bauch der Erde.

Völlig niedergeschlagen setzte sich Eragon im Schneidersitz neben Ajihad und übernahm die Totenwache. Er konnte es kaum fassen, dass Ajihad tot und Murtagh entführt worden war. Murtagh, Sohn eines der Abtrünnigen - die dreizehn Drachenreiter, die bei der Zerstörung ihres Ordens mitgewirkt und dadurch Galbatorix zum König von Alagaësia gemacht hatten - und Eragons Freund. Er hatte Murtagh so manches Mal zum Teufel gewünscht und doch hinterließ der Verlust nun eine unerwartete Leere. Er saß reglos da, als Orik mit den Männern eintraf.

Als der Zwerg Ajihad sah, trampelte er wütend mit den Füßen, stieß wilde Flüche in der Zwergensprache aus und hieb schließlich seine Axt in den Kadaver eines Urgals. Die anderen standen wie vom Donner gerührt da. Orik rieb einen Dreckklumpen zwischen seinen schwieligen Händen und knurrte: "Arrrgh - jetzt wird ein Hornissennest aufbrechen. Hiernach gibt es keinen Frieden mehr unter den Varden. Barzûln, das macht die Dinge kompliziert. Hast du noch seine letzten Worte vernommen?"

Eragon sah Saphira an. "Die werde ich erst vor der richtigen Person wiederholen."

"Verstehe. Und wo steckt Arya?"

Eragon deutete auf den Tunneleingang.

Der Zwerg fluchte erneut, dann schüttelte er den Kopf und hockte sich hin.

Kurz darauf traf Jörmundur mit zwölf Einheiten zu jeweils sechs Kriegern ein. Er bedeutete ihnen, außerhalb des Schlachtfelds zu warten, während er allein weiterging, um Ajihad die Hand auf die kalte Schulter zu legen. "Wie kann das Schicksal nur so grausam sein, mein alter Freund? Ich wäre schon früher gekommen, wenn dieser verfluchte Berg nicht so riesig wäre; dann würdest du vielleicht noch leben. Stattdessen versetzt man uns in der Stunde unseres Triumphs diesen herben Schlag."

Eragon erzählte ihm leise von Arya und vom Verschwinden Murtaghs und der Zwillinge.

"Sie hätte nicht losziehen sollen", sagte Jörmundur und richtete sich auf, "aber daran können wir nun nichts mehr ändern. Wir werden hier Wachen postieren, aber es dauert mindestens eine Stunde, bevor wir Zwergenführer für eine neuerliche Suchexpedition in die Tunnel gefunden haben."

"Ich könnte die Führung übernehmen", erbot sich Orik.

Jörmundur schaute mit leerem Blick nach Tronjheim zurück. "Nein, Hrothgar braucht dich jetzt. Jemand anderes wird gehen müssen. Es tut mir Leid, Eragon, aber alle wichtigen Personen müssen hier bleiben, bis Ajihads Nachfolger gewählt ist. Arya muss allein zurechtkommen… Wir können sie ohnehin nicht mehr einholen."

Eragon nickte und fügte sich dem Unvermeidlichen.

Jörmundur ließ den Blick durch das weite Rund des hohlen Berges schweifen, bevor er mit lauter, für alle vernehmlicher Stimme erklärte: "Ajihad ist als wahrhaftiger Krieger gestorben! Schaut, er hat fünf Urgals erschlagen, wo ein Mann von geringerem Mut sich schon von einem hätte überwältigen lassen. Wir werden ihm alle Ehren erweisen und hoffen, dass sein Geist den Göttern willkommen ist. Tragt ihn und unsere toten Gefährten auf euren Schilden zurück nach Tronjheim! Und schämt euch nicht, wenn man eure Tränen sieht, denn heute ist ein Tag der Trauer, an den man sich für alle Zeiten erinnern wird. Möge es uns bald vergönnt sein, unsere Klingen in die Ungetüme zu rammen, die unseren Anführer gemordet haben!"

Wie auf Kommando knieten alle Krieger nieder und senkten ehrerbietig die Häupter. Dann standen sie wieder auf und hoben ihn behutsam auf ihre Schilde, sodass er zwischen ihren Schultern lag.

Schon weinten viele der Varden, Tränen flossen in Bärte, doch die Männer erfüllten ihre Pflicht und ließen Ajihad nicht herabfallen. Feierlichen Schrittes marschierten sie nach Tronjheim zurück, Saphira und Eragon in der Mitte der Prozession.

Aus "Eragon. Der Auftrag des Ältesten" von Christopher Paolini


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